29.11.09, Kt. Bern: Verfassungsänderung "Stimmrechtsalter 16"

Darum geht die Debatte


"Junge Schweizerinnen und Schweizer sollen in Zukunft auf Kantons- und Gemeindeebene bereits mit 16 Jahren stimmen und wählen dürfen. Die vorliegende Verfassungsänderung schafft dafür die rechtliche Grundlage.
Der Grosse Rat empfiehlt den Stimmberechtigten, der Verfassungsänderung zuzustimmen. Er hat die Verfassungsänderung am 3. Juni 2009 mit 76 zu 73 Stimmen (bei 5 Enthaltungen) angenommen."
(Quelle: http://www.sta.be.ch/site/botschaft_stimmrechtsalter16-d.pdf)

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Politisch gesehen macht das Stimmrechtsalter 16 keinen Sinn, denn bevor es Jugendlichen mit 16 Jahren schon möglich sein soll, bei politischen Fragen auf kantonaler Ebene mitzubestimmen, brauchen wir endlich einen flächendeckenden, neutralen und ansprechenden Staatskundeunterricht. Um die politische Bildung der Jugendlichen steht es schlecht. Kein Wunder, wurde doch dem Staatskundeunterricht bis heute eine zu tiefe Priorität eingeräumt. Viele junge Bürgerinnen und Bürger kennen unser politisches System nur ungenügend, politische Zusammenhänge und Gremien sind ihnen fremd. Es gibt Schülerinnen und Schüler, welche 9 Jahre lang die obligatorische Schule besuchen und kaum über unser politisches System aufgeklärt werden. Viele politisch interessierte Jugendliche leiden darunter, gerne würden sie mehr über die Politik und unseren Staat erfahren. Bevor wir das Stimmrechtsalter auf 16 Jahren senken, müssen wir gewährleisten können, dass zumindest die Jugendlichen vorher wissen, um was dass es geht und was man ihnen mit dem Stimmrecht für eine Verantwortung überträgt.

Die rechtlichen Grenzen zwischen Erwachsen- und Nichterwachsensein wurden bei uns auf 18 Jahre festgelegt. Es macht keinen Sinn, dass ein junger Bürger mit 16 an der Urne über das Budget seiner Gemeinde abstimmen darf, ohne dass er über sein eigenes Budget voll verfügen kann.

Wer politisch interessiert ist (als unter 18 Jähriger) hat andere Möglichkeiten, sich politisch zu engagieren: z.B. in Jugendparlamenten und –Räten oder in Jungparteien und sonstigen politischen Vereinigungen. Wo solche Angebote z.B. ein Jugendparlament nicht vorhanden sind, sollen welche geschaffen werden, um den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ihre Ideen und Vorstellungen in die Politik einbringen zu können. Anlässe wie die Jugendsession sollen unbedingt gefördert werden, das Ziel muss es sein, möglichst viele Jugendliche für die Politik begeistern zu können, denn es geht um ihre Zukunft. Bevor aber diese Jungen stimmberechtigt sein sollen, müssen sie das System kennen und bereits Erfahrungen sammeln können.

Abschliessend möchte ich festhalten, dass es aus meiner Sicht heute zumindest noch verfrüht ist, über eine Herabsetzung des Stimmrechtalters auf 16 zu entscheiden. In der Vergangenheit wurden dafür ungenügende Grundlagen geschaffen. Politische Bildung und spezifische Partizipationsmöglichkeiten für politisch interessierte Jugendliche sind in meinen Augen zwingende Voraussetzungen für eine Senkung des Stimmrechtsalters!
11 Kommentare
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Lieber Lukas

Grundsätzlich hast du absolut Recht: Die politische Bildung in der Schweiz (und im Kanton Bern) ist absolut ungenügend. Genau aus diesem Hintergrund heraus hat die Grossrätin Nadine Masshardt einige Vorstösse zur Verbesserung der politische Bildung eingebracht. Einer dieser Vorstösse war die Senkung des aktiven Stimmrechtsalters auf 16 Jahre.
Denn das Stimmrechtsalter 16 fördert die politische Bildung! Wenn man selber aktiv mitmachen kann, ist man viel eher dazu bereit sich über das politische System zu informieren.
Schwimmen lernt man im Wasser - Politik an der Urne! ;-)

Deshalb JA zum Stimmrechtsalter 16!
Jonas Hirschi - Co-Präsident Jugendparlament Köniz, SP 19. Oktober 2009 Verstoss melden
Diese Argumentation macht eben doch Sinn. Bevor ein Jugendlicher mit 16 Jahren schon voll mitentscheiden kann, muss er irgendwo das nötige Wissen vermittelt bekommen. Denn die Möglichkeit, abstimmen zu gehen, ist nicht nur ein Recht, sondern es beinhaltet auch eine grosse Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft. Hierfür wurde in der Vergangenheit keine genügende Grundlage geschaffen. Bevor also schon jetzt das Stimmrechtsalter gesenkt wird, muss zuerst der Staatskundeunterricht breiter und fundierter in der obligatorischen Schule thematisiert werden.

Auch die juristische Argumentation ist wichtig. Es macht keinen Sinn, die politische Mündigkeit von der gesetzlichen Mündigkeit loszulösen. Wer nicht volljährig und damit zu 100% mündig ist, sollte dies an der Urne ebenfalls nicht sein.
Lukas Lanzrein - kandidiert für Stadtrat Thun, SVP 19. Oktober 2009 Verstoss melden
Jugendsessione und Anlässe sind nicht repräsentativ! Und die juristische Mündigkeit ist nicht gleich dem Töfflifahren.

Die Allgemeinbildung der heutigen Jugend ist wesentlich höher als früher, jedoch nahm die politische Bildung stetig ab bei den meisten. Denn politische Bildung definiert sich nicht alleine über was ist Majorz, was ist Proporz oder wieviele Kammern hat unser Parlamentsystem. Zu wissen, dass die SVP rechts-bürgerlich-konservativ und die SP links ist, ist nur die halbe Miete.
Es braucht auch das Wissen über die Sachthemen und die Fehlt weitgehend, den meisten Jugendlichen, die sich für Politik "interessieren", besitzten nur sehr oberflächliches Wissen darüber. Und ich muss es wissen, ich gehe mit 16- & 17-jährigen ins Gymnasium.
Bruno Grossniklaus - SP 20. Oktober 2009 Verstoss melden
Die Jugendsession mag vielleicht nicht repräsentativ sein, aber sie zeigt doch, dass es Jugendliche gibt, welche sich politisch interessieren!
Und ich wehre mich strikt dagegen und bin persönlich beleidigt, wenn du das politische Wissen von Jugendlichen als oberflächlich bezeichnest. Ich habe ein grösseres politisches Wissen als die meisten Erwachsene und man kann mit einigen Jugendlichen viel besser über Politik diskutieren als mit Erwachsenen!
Jonas Hirschi - Co-Präsident Jugendparlament Köniz, SP 20. Oktober 2009 Verstoss melden
@Jonas: Bitte schütte das Kind nicht mit dem Bade aus. Was du sagst hat durchaus Hand und Fuss, aber Ausnahmen bestätigen die Regel!

Ich komme aus Ostermundigen hast du Lust dich mit mir zu treffen, dann können wir die Sache ausdiskutieren.
Bruno Grossniklaus - SP 20. Oktober 2009 Verstoss melden
@Bruno: Ich denke wir erreichen mehr Leute wenn wir das Ganze online "ausdiskutieren". Ich komme übrigens auch ursprünglich aus Ostermundigen und weiss dass es dort einige politisch interessierte Jugendliche gibt, welche gerne abstimmen gehen würden. Natürlich gibt es auch Uninteressierte, aber das ist kein Gegenargument.
Jonas Hirschi - Jugendparlamentarier JUSO 20. Oktober 2009 Verstoss melden
Ich beobachte, dass die Zustimmungen für diesen Beitrag stetig zunehmen, und dies obwohl - aus meiner Sicht - die Argumente in den Kommentaren praktisch entkräftet wurden.
Es wäre interessant zu erfahren, wieso trotzdem immer mehr Leute ihre Zustimmung geben.
Sind die Argumente gegen den Beitrag von Lukas Lanzrein nicht überzeugend genug, oder ist es einfach ein "Bauchentscheid", gegen die Herabsetzung zu stimmen?
Schliesslich will ich als Befürworter ja wissen, wo wir mit Überzeugungsarbeit ansetzen müssen.
Tobias Pulver - Vorstand Jugendparlament Köniz, Parteilos 24. Oktober 2009 Verstoss melden
apropos juristisch macht das keinen Sinn: Das Stimmrecht mit 16 und die rechtliche Mündigkeit mit 18, so viel geistige Flexibilität traue ich den Juristen also schon noch zu!!
Lukas Felber - jf 24. Oktober 2009 Verstoss melden
@ Tobias
Es stimmt eben nicht, dass meine im Beitrag veröffentlichten Argumente gegen eine Herabsenkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahren alle widerlegt wurden.

1. Ist es unseriös, zu meinen, die Jugendlichen sollen sich ihr Wissen und ihre Bildung über unser politisches System gleich an der Urne aneignen. Wer nicht weiss, was ein Referendum, ein Moratorium oder ein Volksvorschlag ist, wird kaum an die Urne gehen, wenn solche Fragen anstehen. Es braucht also zuerst einen flächendeckenden und qualitativ hochstehenden Staatskundeunterricht.

2. Die juristische Argumentation macht nach wie vor Sinn. Hier möchte ich vor allem auf Ihre Argumenation, Frau Balmer, eingehen. Sie schreiben, dass 16-Jährige auch schon sexuell mündig seien und z.B. auch über Ihre Religionszuständigkeit frei entscheiden könnten. Natürlich ist nicht bei jeder rechtlichen Altersgrenze die Zahl 18 festgelegt worden. Deswegen nun aber das Stimmrechtsalter von der rechtlichen Mündigkeit zu trennen, macht keinen Sinn. Sonst könnte man es ja gleich auf 10 Jahre senken, denn mit diesem Alter kann ein Kind gemäss Schweizerisches Jugendstrafrecht für eine Tat bestraft werden. Sie sehen, diese Argumentation führt ins Absurde.
Lukas Lanzrein - kandidiert für Stadtrat Thun, SVP 24. Oktober 2009 Verstoss melden
@ Kathrin (ich duze dich auch mal):
Und es sind nicht nur wissenschaftliche Studien, die Jugendliche ab 16 als urteilsfähig erachten. Nein, sogar das Gesetz sagt das bereits heute. Die Urteilfähigkeit (welche mit der Fähigkeit zum Stimmen abhängt) ist nich auf eine Altersgrenze festgeschrieben. Zum Beispiel ist man bereits mit 14 Jahren in gewissen Bereichen ureteilsfähig, laut dem Gesetz. (z.B. um einen Kaufvertrag abzuschliessen)
Jonas Hirschi - Co-Präsident Jugendparlament Köniz, SP 30. Oktober 2009 Verstoss melden
Liebe Katrin
Danke für Deinen Exkurs zum Dutzen im Internet. Da ich vor allem Politik auf der Strasse und an Anlässen mache - und man sich dort nach wie vor nicht duzt - habe ich auch hier die Höflichkeitsform gewählt. Aber natürlich kann ich als 20-Jähriger auch damit leben, wenn wir miteinander per Du sind ;-)

Ich habe nie bestritten, dass die Altersgrenzen nicht zu einem Teil willkürlich festgelegt wurden. Aber dennoch steckt eine Systematik dahinter, die durch das Stimmrechtsalter 16 tangiert wird. Die rechtliche Volljährigkeit ist vom Stimmrecht nicht zu trennen. Es macht denn auch keinen Sinn, dass man Jugendlichen mit 16 Jahren zutraut, abstimmen und wählen zu gehen, sie sich aber selber nicht in ein politisches Amt wählen lassen dürfen, um dort aktiv Politik zu machen. Hier trauen die Befürworter den Jugendlichen eben doch nicht alles zu - in meinen Augen ist dies inkonsequent. Ich habe auch nie behauptet, dass 16-Jährige nicht urteilsfähig seien. Es geht - wie oben schon genannt - um eine rechtliche und politische Systematik, welche durch dasStimmrechtsalter 16 beeinträchtigt wird und um in meinen Augen zum heutigen Zeitpunkt mangelnde Grundlagen in Form von flächendeckendem und politisch neutralem Staatskundeunterricht sowie andere für Jugendliche zugeschnittene Partizipationsmöglichkeiten wie Jugendparlamente, etc.
Lukas Lanzrein - kandidiert für Stadtrat Thun, SVP 30. Oktober 2009 Verstoss melden
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Mit grossen Erstaunen stellte ich fest, dass Parteien wie die FDP
und die SVP mehrheitlich gegen das Stimmrechtsalter 16 sind!

Dabei ist doch die SVP, die Partei welche die Demokratie so hoch hält. Und es ist auch die Partei, welche mehr politische Rechte für den Steuerzahler (und das sind nun mal auch 16-jährige) fordert.

Die FDP wäre doch eigentlich eine liberale Partei und muss deswegen auch für das Stimmrechtsalter 16 sein, schliesslich ist dies eine absolut gesellschaftsliberale Vorlage.

Zum Glück gibt es auch bei diesen Parteien die wahren Vertreter: So unterstützt zum Beispiel die SVP des Kanton Waadts das Stimmrechtsalter 16 sowie auch die deutsche FDP.
In Österreich fand die Einführung des Wahlrechtsalters 16 Zustimmung bei allen Parteien im Parlament (ausser der rechtspopulistischen FPÖ) - was durchaus logisch ist!
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Die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) des Kantons Bern hat sich nun offiziell gegen das Stimmrechtsalter 16 ausgesprochen. Links dazu:

http://www.derbund.ch/bern/BDP-des-Kantons-Bern-gegen-Stimmrechtsalter-16/story/16419595

und

http://www.bdp-be.info/index.php?section=news&cmd=details&newsid=57
Adrienne Fichter - Politnetz Team 2. November 2009 Verstoss melden
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... in einem Artikel der NZZ. Weiter: "(...) Das Stimmrecht der Eltern für alle ihre Kinder verleiht hingegen jenen Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern wieder vermehrt politisches Gewicht, welche für die Zukunft der Bevölkerung schon etwas vollbracht haben und als Entgelt dafür auch auf Jahre hinaus mitbestimmen können sollen. Ein durchaus klarer Zweck also.

Die angerufenen Zwecke für ein Stimmrechtsalter 16 sind hingegen eher dritt- bis viertrangig. Die Jungen sollten so aktivere Bürger werden, heisst es. Sie sollten sich staatsbürgerliche Informationen holen. Oder: Wenn sie schon zu einer Berufslehre befähigt seien, dürften sie doch auch in der Politik mitreden. Es läuft eigentlich alles darauf hinaus, den offensichtlich gescheiterten Staatskundeunterricht der Schule mit einem Wurf der Jugend ins kalte Wasser zu kompensieren. (...)
Die Erhebungen nach der Einführung des Stimmrechtsalters 18 sind nicht ermutigend. Die Jungen strömen nicht in Massen zur Urne. Die Politiker verfallen da offensichtlich einem blossen Geschenke-Wahn, umso mehr, als dieses verschenkte Recht nichts kostet. Ein den Jungen angetragenes Recht, das diese nicht verlangt haben, ist von geringerem Wert und weitgehend wirkungslos. Die Politiker erhöhen mit dieser Stimmrechts-Expansion wiederum die neue Unübersichtlichkeit. Schon die Mündigkeit mit 18 Jahren lässt die Jungen Verträge eingehen, für welche die Eltern unter Umständen geradestehen müssen, bis die Kinder 20 sind. Das Stimmrecht mit 16 führt eine neue Schwelle auf einem anderen Gebiet ein. Es wäre richtig, wenn ein einziges Datum die Jungen in die Erwachsenenwelt eintreten liesse. (...)"

Der ganze Artikel: http://www.nzz.ch/2007/05/27/il/articleF7C5M.html
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4 Kommentare
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Bis jetzt habe ich keine Ahnung, wer denn die Gegner sind. Welche Parteien sind denn dagegen?
Tobi Heusser 12. Oktober 2009 Verstoss melden
Bis jetzt haben sich die SVP und FDP des Kanton Bern (sowie auch die Junge SVP, Junge CVP und Jungfreisinnigen des Kt. Bern) in der Vernehmlassung, Medienberichterstattung und während der Debatte im Grossen Rat gegen eine Einführung des Stimmrechtalters 16 ausgesprochen.
Adrienne Fichter - Politnetz Team 12. Oktober 2009 Verstoss melden
Ablehnende Stellungnahmen finden sich beispielsweise in der Ausgabe 2/08 der Parteizeitung "Zeitungidee" der Jungen SVP Schweiz (dort wird auf Seite 6 ein überparteiliches Contra- Komitee "Stimmrechtsalter 16: Nein danke" erwähnt):
http://www.zeitungidee.ch/archiv/2008-02.pdf

Und in einem älteren Artikel der "News", der die Debatte im Grossen Rat kommentierte: http://www.news.ch/Stimmrechtsalter+16+in+Bern+vors+Volk/277543/detail.htm
Adrienne Fichter - Politnetz Team 12. Oktober 2009 Verstoss melden
Ist noch interessant, dass viele Jungfreisinnige in diesem überparteilichen Contra-Komitee "Stimmrechtsalter 16: Nein danke" sitzen. In dem PDF http://www.zeitungidee.ch/archiv/2008-02.pdf beklagt sich das Komitee, dass es von den Medien totgeschwiegen wird – genau, auch ich habe nämlich nichts von seiner Existenz und den Gegenargumenten gewusst.
Tobi Heusser 13. Oktober 2009 Verstoss melden
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Was war 1971 …? Genau, endlich wurde das Frauenstimmrecht (auf Bundesebene) eingeführt. Von Däniken im Magazin-Interview vom 10. Oktober weiter: "Vorher war das Land eine Männerherrschaft."

Demokratie kommt von "Demos", was "Volk" bedeutet. In Sachen Politik soll der Teil des Volkes mitbestimmen dürfen, der mündig ist – es ist darum tatsächlich logisch, dass erst mit dem Stimm- und Wahlrecht der Frauen unser Land zu einer wirklichen Demokratie wurde. Zum Stimmrechtsalter 16: Mit 16 Jahren ist man ebenfalls Teil des mündigen Volkes – wer bereits dann am politischen Leben aktiv teilnehmen will, der oder die soll das dürfen. So gewinnt die Schweiz aktive StaatsbürgerInnen mit Sinn und Verantwortung fürs Gemeinwohl. Sie sind die Stützen unserer Gesellschaft.
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Von Dänikens Aussage bezüglich Frauenstimmrecht ist tatsächlich erfrischend undiplomatisch. Aber die Parallelen zum Stimmrechtsalter 16 sind meiner Meinung nach nicht so offensichtlich: Wieso sollen dann nicht bereits auch 14-jährige stimmen dürfen: Sie gehören ja auch zum Volk, oder?!
Oliver Peter 11. Oktober 2009 Verstoss melden
Ich denke es geht um geistige Mündigkeit. Wo diese gesetzlich zur verorten ist, muss diskutiert werden. 16 Jahre sind aber sicher ein Alter, indem viele schon enorm reif sind. Auch in anderen Belangen spricht das Gesetzt 16-jährigen Eigenverantwortung zu. Z.B.: Motorfahrzeuge oder Alkohol.
Julian Meier 12. Oktober 2009 Verstoss melden
Gerade mal acht Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts wurde 1979 das Stimmrechtsalter für 18jährige abgelehnt. Da waren sicher auch unzählige Frauen, welche vor 1971 volljährig wurden und noch selber erfahren mussten, was es heisst vom Mitspracherecht ausgeschlossen zu sein, dagegen.

Peter Vögeli 22. November 2009 Verstoss melden
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Das Interesse an der Politik ist bei 16- und 17-jährigen, entgegen der allgemeinen Erwartung, bereits vorhanden! Befragungen haben ergeben, dass ein ähnlicher Wert an Interessierten wie bei den 18-24-jährigen besteht, nämlich um die 30 Prozent.

Fehlt nun tatsächlich einem Teil der 16- und 17-jährigen die Reife für politische Entscheide, so gehen diese auch sicher nicht wählen, da aus meiner Sicht bezüglich Politik die Reife eine Voraussetzung für das Interesse und folglich Wahlabsichten sind. Wer also unreif ist, wird kaum wählen gehen und somit niemandem schaden.

Bei einem JA! sehe ich also keine absehbaren negativen Konsequenzen, hingegen wäre ein NEIN! schade, da man durch die Herabsetzung viele Junge für die Politik gewinnen könnte und bereits Interessierten die Chance gibt, aktiv mitzumachen.
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Mich würde interessieren, was du – als offensichtlich sehr politischer junger Mensch – vom Staatskundeunterricht in der Schule hältst. Hast du dort das Wissen mitbekommen, um dich aktiv politisch zu beteiligen, oder von einer anderen Quelle, einem Verein, einer Jungpartei vielleicht? Bei mir selbst liegt die Schule schon einiges länger zurück und ich habe dort nicht viel dazu gelernt – nun ja, es war auch noch eine andere Zeit, mit anderen Hierarchien.
Oliver Peter 22. Oktober 2009 Verstoss melden
INFO: Unter anderem mit dem Argument "Nichts zu verlieren – viel zu gewinnen" hat das Pro-Komitee am 21. Oktober den Abstimmungskampf offiziell eröffnet. Hier einige Medien-Reaktionen:

-BZ: http://www.bernerzeitung.ch/region/bern/Stimmrecht-16-Nichts-zu-verlieren-viel-zu-gewinnen/story/19761295

-Bieler Tagblatt: http://www.bielertagblatt.ch/News/Region/157055#ancContent

-20min: http://www.20min.ch/news/bern/story/27038214

-DRS Regionaljournal Bern-Freiburg-Wallis: http://www.drs1.ch/www/de/drs1/sendungen/regionaljournal-bern-freiburg-wallis/de/drs1/sendungen/regionaljournal-bern-freiburg-wallis/90293.bt10104219.html
Politnetz Team - Administrator 22. Oktober 2009 Verstoss melden
Lieber Oliver,

Ich gehe an ein Gymnasium, dementsprechend habe ich bereits im Umfeld eher mehr politisch interessierte Menschen als es wohl sonstwo der Fall wäre.
Zum Staatskundeunterricht in der Schule:
In Geschichte haben wir sehr ausführlich die EU besprochen und dazu politische Debatten geführt, was mich sicherlich motiviert hat. Weiter haben wir praktisch immer wenn Abstimmungen anstanden eine Doppellektion diesen Themen gewidmet und debattiert. Auch das hat mich inspiriert, mich weiter in diesem Bereich zu engagieren.
Im Recht und ergänzend dazu in Geschichte haben wir die Grundlagen unseres Staates behandelt; Verfassung, Gewaltentrennung, etc. - die Grundlagen eben.
Diese Grundlagen habe ich also tatsächlich aus der Schule, jedoch gehe ich an ein Gymnasium und kann nicht beurteilen wie der Staatskundeunterricht an anderen Schulen ist.

Ich finde, abstimmen gehen soll können, wer sich interessiert. Es ist meines Wissens eine Tatsache, dass sich in der Altersgruppe der 16- und 17-jährigen prozentual ungefähr gleichviele für Politik interessieren wie im Bereich der 18- bis 24-jährigen.
Informieren muss sich sowieso jeder, der abstimmen gehen will, Hintergrundwissen über unser Rechtswesen, unsere Verfassung etc. hin oder her - dies ist meine persönliche Erfahrung. Heute beziehe ich meine Informationen meist aus dem Internet, häufig besuche ich vimentis.ch, denn dort erhalte ich qualitative, neutrale Informationen zu praktisch jedem aktuellen Thema, aber auchzu nicht abstimmungsspezifischen Gebieten.
Hiflreich sind sicherlich auch politisch Interessierte Eltern, die man auch mal um eine Meinung fragen kann – vorausgesetzt, man kann diese auch kritisch reflektieren.
Der Staatskundeunterricht ist aus meiner Sicht keine Voraussetzung, sondern vielmehr eine nützliche Ergänzung zum notwendigerweise vorhandenen Interesse an politischen Themen.

Wie gesagt, ich spreche aus der Sicht eines Gymnasiasten und kann die Situation eines 16-jährigen, der nicht das Gymnasium besucht, nur bedingt nachempfinden. Ich setzte mich trotzdem für die Herbsetzung ein, weil ich – wie bereits erwähnt – finde, dass nicht der Staatskundeunterricht, sondern das politische Interesse jemanden befähigt, abstimmen zu gehen. Und zusätzlich soll ja mit Annahme der Initiative der Staatskundeunterricht verbessert werden, was sicher auch nicht schaden kann.

Ich hoffe ich konnte deine Frage damit beantworten?!
Tobias Pulver - Vorstand Jugendparlament Köniz, Parteilos 22. Oktober 2009 Verstoss melden
Eine kleien Ergänzung noch, um auf deine ursprünglichen Fragen zurückzukommen:
In einem Verein oder einen Jungpartei bin ich nicht, und im Jugendparlament bin ich auch erst seit diesem Herbst. Das notwendige Interesse entwickelte sich sicherlich durch die politischen Gespräche in der Schule, zu Hause oder mit Freunden - das Umfeld also.
Das Wissen erarbeite ich mir jeweils vor den Abstimmungen durch Gespräche mit Freunden und Eltern, durch Seiten wie vimentis.ch und neuerdings auch durch politnetz.ch.
Tobias Pulver - Vorstand Jugendparlament Köniz, Parteilos 22. Oktober 2009 Verstoss melden
Lieber Tobias

Die wenigsten Stimmberechtigten informieren sich wirklich über die Vorlagen. Wenn du dich so für Politik interessierst, gehörst du zu einer Minderheit und zwar in allen Alterskategorien. Nur 10 % der Wähler und Wählerinnen gehen mit ihrer eigenen Meinung an die Urne.
Peter Vögeli 24. November 2009 Verstoss melden
Lieber Peter
Auch wenn nur 10% eine eigene Meinung haben, sollte man diese bereits ab 16 Jahren abstimmen/wählen lassen dürfen. Es ist in erster Linie ein Mitbestimmungsrecht - keine Pflicht (obwohl oft so argumentiert wird).

Hier geht es um die Zukunft des Landes. Fehler die heute gemacht werden muss die nächste Generation bereinigen. Weshalb sollten sie also nicht mitbestimmen dürfen - wo selbst Menschen in höherem Alter über langfristige Schuldentilgung, Bildungswesen und erlaubten Forschungen mitbestimmen dürfen?

Daher muss aus meiner Sicht die Jugend möglichst früh - also sicher mit 16 Jahren - politisch mitbestimmen dürfen!

Gruss Matthias
Ehemaliger Benutzer 14. Februar 2010 Verstoss melden
Lieber Matthias

Haben Sie nicht bemerkt, dass ich selber für das Stimmrechtsalter 16 bin? Die Tatsache, dass nur 10 % der Stimmberechtigten eine eigene Meinung haben, gilt für alle Alterskategorien.

Gruss Peter
Peter Vögeli 15. Februar 2010 Verstoss melden
Lieber Peter
Bitte entschuldigen Sie das Missverständnis. Auf Grund Ihres Kommentars, eruierte ich Ihre Meinung als kontra.
Schön aber, dass Sie das Stimmrechtsalter 16 befürworten!

Gruss Matthias
Ehemaliger Benutzer 15. Februar 2010 Verstoss melden
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Ich habe bis jetzt noch kein überzeugendes Argument gegen diesen Vorschlag gehört. Was spricht denn dagegen, dass 16-Jährige wählen und abstimmen können? Gerade angesichts der zunehmenden Überalterung unserer Gesellschaft ist es nötig, dass auch Jüngere mitbestimmen dürfen. Schliesslich sind sie es, die in die AHV einzahlen werden – und selbst vielleicht nicht mehr viel davon haben werden.
3 Kommentare
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Richtig, ich sehe mein Argument überhaupt nicht als Generationen-spaltend. Viele der älteren Generationen haben noch miterlebt, als die Hälfte des Schweizer Volkes überhaupt noch nicht stimmberechtigt war… alle Frauen nämlich! Dazu mein neuer Beitrag: www.politnetz.ch/beitrag/333/anzeigen

(PS: übrigens, danke politnetz für den Tipp, wie man auf Beiträge verlinken kann – für alle: mit dem Mauszeiger auf "Beitrag melden" fahren, NICHT klicken, sondern bloss in der Fusszeile des Browsers die Nummer merken; dann in den Link (wie oben die Nr. 333) einfügen.)
Claudia Michel 11. Oktober 2009 Verstoss melden
Ups, da muss man noch das http:// anfügen; also:

http://www.politnetz.ch/beitrag/333/anzeigen
Claudia Michel 11. Oktober 2009 Verstoss melden
Danke für den Tipp!
Julian Meier 12. Oktober 2009 Verstoss melden
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