Die rechtlichen Grenzen zwischen Erwachsen- und Nichterwachsensein wurden bei uns auf 18 Jahre festgelegt. Es macht keinen Sinn, dass ein junger Bürger mit 16 an der Urne über das Budget seiner Gemeinde abstimmen darf, ohne dass er über sein eigenes Budget voll verfügen kann.
Wer politisch interessiert ist (als unter 18 Jähriger) hat andere Möglichkeiten, sich politisch zu engagieren: z.B. in Jugendparlamenten und –Räten oder in Jungparteien und sonstigen politischen Vereinigungen. Wo solche Angebote z.B. ein Jugendparlament nicht vorhanden sind, sollen welche geschaffen werden, um den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ihre Ideen und Vorstellungen in die Politik einbringen zu können. Anlässe wie die Jugendsession sollen unbedingt gefördert werden, das Ziel muss es sein, möglichst viele Jugendliche für die Politik begeistern zu können, denn es geht um ihre Zukunft. Bevor aber diese Jungen stimmberechtigt sein sollen, müssen sie das System kennen und bereits Erfahrungen sammeln können.
Abschliessend möchte ich festhalten, dass es aus meiner Sicht heute zumindest noch verfrüht ist, über eine Herabsetzung des Stimmrechtalters auf 16 zu entscheiden. In der Vergangenheit wurden dafür ungenügende Grundlagen geschaffen. Politische Bildung und spezifische Partizipationsmöglichkeiten für politisch interessierte Jugendliche sind in meinen Augen zwingende Voraussetzungen für eine Senkung des Stimmrechtsalters!
Lieber LukasJonas Hirschi - Co-Präsident Jugendparlament Köniz, SP 19. Oktober 2009 Verstoss melden
Grundsätzlich hast du absolut Recht: Die politische Bildung in der Schweiz (und im Kanton Bern) ist absolut ungenügend. Genau aus diesem Hintergrund heraus hat die Grossrätin Nadine Masshardt einige Vorstösse zur Verbesserung der politische Bildung eingebracht. Einer dieser Vorstösse war die Senkung des aktiven Stimmrechtsalters auf 16 Jahre.
Denn das Stimmrechtsalter 16 fördert die politische Bildung! Wenn man selber aktiv mitmachen kann, ist man viel eher dazu bereit sich über das politische System zu informieren.
Schwimmen lernt man im Wasser - Politik an der Urne! ;-)
Deshalb JA zum Stimmrechtsalter 16!
Diese Argumentation macht eben doch Sinn. Bevor ein Jugendlicher mit 16 Jahren schon voll mitentscheiden kann, muss er irgendwo das nötige Wissen vermittelt bekommen. Denn die Möglichkeit, abstimmen zu gehen, ist nicht nur ein Recht, sondern es beinhaltet auch eine grosse Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft. Hierfür wurde in der Vergangenheit keine genügende Grundlage geschaffen. Bevor also schon jetzt das Stimmrechtsalter gesenkt wird, muss zuerst der Staatskundeunterricht breiter und fundierter in der obligatorischen Schule thematisiert werden.Lukas Lanzrein - kandidiert für Stadtrat Thun, SVP 19. Oktober 2009 Verstoss melden
Auch die juristische Argumentation ist wichtig. Es macht keinen Sinn, die politische Mündigkeit von der gesetzlichen Mündigkeit loszulösen. Wer nicht volljährig und damit zu 100% mündig ist, sollte dies an der Urne ebenfalls nicht sein.
Jugendsessione und Anlässe sind nicht repräsentativ! Und die juristische Mündigkeit ist nicht gleich dem Töfflifahren.Bruno Grossniklaus - SP 20. Oktober 2009 Verstoss melden
Die Allgemeinbildung der heutigen Jugend ist wesentlich höher als früher, jedoch nahm die politische Bildung stetig ab bei den meisten. Denn politische Bildung definiert sich nicht alleine über was ist Majorz, was ist Proporz oder wieviele Kammern hat unser Parlamentsystem. Zu wissen, dass die SVP rechts-bürgerlich-konservativ und die SP links ist, ist nur die halbe Miete.
Es braucht auch das Wissen über die Sachthemen und die Fehlt weitgehend, den meisten Jugendlichen, die sich für Politik "interessieren", besitzten nur sehr oberflächliches Wissen darüber. Und ich muss es wissen, ich gehe mit 16- & 17-jährigen ins Gymnasium.
Die Jugendsession mag vielleicht nicht repräsentativ sein, aber sie zeigt doch, dass es Jugendliche gibt, welche sich politisch interessieren!Jonas Hirschi - Co-Präsident Jugendparlament Köniz, SP 20. Oktober 2009 Verstoss melden
Und ich wehre mich strikt dagegen und bin persönlich beleidigt, wenn du das politische Wissen von Jugendlichen als oberflächlich bezeichnest. Ich habe ein grösseres politisches Wissen als die meisten Erwachsene und man kann mit einigen Jugendlichen viel besser über Politik diskutieren als mit Erwachsenen!
@Jonas: Bitte schütte das Kind nicht mit dem Bade aus. Was du sagst hat durchaus Hand und Fuss, aber Ausnahmen bestätigen die Regel!Bruno Grossniklaus - SP 20. Oktober 2009 Verstoss melden
Ich komme aus Ostermundigen hast du Lust dich mit mir zu treffen, dann können wir die Sache ausdiskutieren.
@Bruno: Ich denke wir erreichen mehr Leute wenn wir das Ganze online "ausdiskutieren". Ich komme übrigens auch ursprünglich aus Ostermundigen und weiss dass es dort einige politisch interessierte Jugendliche gibt, welche gerne abstimmen gehen würden. Natürlich gibt es auch Uninteressierte, aber das ist kein Gegenargument.Jonas Hirschi - Jugendparlamentarier JUSO 20. Oktober 2009 Verstoss melden
Ich beobachte, dass die Zustimmungen für diesen Beitrag stetig zunehmen, und dies obwohl - aus meiner Sicht - die Argumente in den Kommentaren praktisch entkräftet wurden.Tobias Pulver - Vorstand Jugendparlament Köniz, Parteilos 24. Oktober 2009 Verstoss melden
Es wäre interessant zu erfahren, wieso trotzdem immer mehr Leute ihre Zustimmung geben.
Sind die Argumente gegen den Beitrag von Lukas Lanzrein nicht überzeugend genug, oder ist es einfach ein "Bauchentscheid", gegen die Herabsetzung zu stimmen?
Schliesslich will ich als Befürworter ja wissen, wo wir mit Überzeugungsarbeit ansetzen müssen.
apropos juristisch macht das keinen Sinn: Das Stimmrecht mit 16 und die rechtliche Mündigkeit mit 18, so viel geistige Flexibilität traue ich den Juristen also schon noch zu!!Lukas Felber - jf 24. Oktober 2009 Verstoss melden
@ TobiasLukas Lanzrein - kandidiert für Stadtrat Thun, SVP 24. Oktober 2009 Verstoss melden
Es stimmt eben nicht, dass meine im Beitrag veröffentlichten Argumente gegen eine Herabsenkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahren alle widerlegt wurden.
1. Ist es unseriös, zu meinen, die Jugendlichen sollen sich ihr Wissen und ihre Bildung über unser politisches System gleich an der Urne aneignen. Wer nicht weiss, was ein Referendum, ein Moratorium oder ein Volksvorschlag ist, wird kaum an die Urne gehen, wenn solche Fragen anstehen. Es braucht also zuerst einen flächendeckenden und qualitativ hochstehenden Staatskundeunterricht.
2. Die juristische Argumentation macht nach wie vor Sinn. Hier möchte ich vor allem auf Ihre Argumenation, Frau Balmer, eingehen. Sie schreiben, dass 16-Jährige auch schon sexuell mündig seien und z.B. auch über Ihre Religionszuständigkeit frei entscheiden könnten. Natürlich ist nicht bei jeder rechtlichen Altersgrenze die Zahl 18 festgelegt worden. Deswegen nun aber das Stimmrechtsalter von der rechtlichen Mündigkeit zu trennen, macht keinen Sinn. Sonst könnte man es ja gleich auf 10 Jahre senken, denn mit diesem Alter kann ein Kind gemäss Schweizerisches Jugendstrafrecht für eine Tat bestraft werden. Sie sehen, diese Argumentation führt ins Absurde.
@ Kathrin (ich duze dich auch mal):Jonas Hirschi - Co-Präsident Jugendparlament Köniz, SP 30. Oktober 2009 Verstoss melden
Und es sind nicht nur wissenschaftliche Studien, die Jugendliche ab 16 als urteilsfähig erachten. Nein, sogar das Gesetz sagt das bereits heute. Die Urteilfähigkeit (welche mit der Fähigkeit zum Stimmen abhängt) ist nich auf eine Altersgrenze festgeschrieben. Zum Beispiel ist man bereits mit 14 Jahren in gewissen Bereichen ureteilsfähig, laut dem Gesetz. (z.B. um einen Kaufvertrag abzuschliessen)
Liebe KatrinLukas Lanzrein - kandidiert für Stadtrat Thun, SVP 30. Oktober 2009 Verstoss melden
Danke für Deinen Exkurs zum Dutzen im Internet. Da ich vor allem Politik auf der Strasse und an Anlässen mache - und man sich dort nach wie vor nicht duzt - habe ich auch hier die Höflichkeitsform gewählt. Aber natürlich kann ich als 20-Jähriger auch damit leben, wenn wir miteinander per Du sind ;-)
Ich habe nie bestritten, dass die Altersgrenzen nicht zu einem Teil willkürlich festgelegt wurden. Aber dennoch steckt eine Systematik dahinter, die durch das Stimmrechtsalter 16 tangiert wird. Die rechtliche Volljährigkeit ist vom Stimmrecht nicht zu trennen. Es macht denn auch keinen Sinn, dass man Jugendlichen mit 16 Jahren zutraut, abstimmen und wählen zu gehen, sie sich aber selber nicht in ein politisches Amt wählen lassen dürfen, um dort aktiv Politik zu machen. Hier trauen die Befürworter den Jugendlichen eben doch nicht alles zu - in meinen Augen ist dies inkonsequent. Ich habe auch nie behauptet, dass 16-Jährige nicht urteilsfähig seien. Es geht - wie oben schon genannt - um eine rechtliche und politische Systematik, welche durch dasStimmrechtsalter 16 beeinträchtigt wird und um in meinen Augen zum heutigen Zeitpunkt mangelnde Grundlagen in Form von flächendeckendem und politisch neutralem Staatskundeunterricht sowie andere für Jugendliche zugeschnittene Partizipationsmöglichkeiten wie Jugendparlamente, etc.
